Man konnte den Niedergang der griechischen Wirtschaft in den letzten Wochen lebhafterweise in den Nachrichten verfolgen und so manch Bekannter und Freunde fragten mich vor dem Trip nach Loutraki für das erstmalig ausgetragene Event der European Poker Tour im Land der Hellenen, ob ich mir das gut überlegt hätte. Am Anfang war ich auch etwas skeptisch, aber es ist Teil meiner Arbeit und generell kann mich dabei nur wenig abschrecken.
Am Montag den 14. November ging es ab München mit dem Flieger nach Athen und die erste Überraschung war das schlechte Wetter … in Deutschland. Eine Stunde Verspätung wurde von Julian Herold, Matze Kurtz, Mario Puccini und Co am Flughafen für Poker genutzt, aber das kommt jetzt nicht wirklich überraschend und Heinz Kamutzki konnte als Luckbox zwei Mal innerhalb von wenigen Minuten per runner runner einen Straight Flush treffen.
In Griechenland angekommen ging es dann per Großraumtaxi ins beschauliche Loutraki und wir wurden stürmisch empfangen. Nein, nicht weil wir als Deutsche den Griechen aus der Patsche helfen … Loutraki liegt an der Küste und der orkanartige Wind durch das naheliegende Gebirge sorgte für faszinierende Szenen an der Strandpromenade.
Ach ja, Poker wurde auch noch gespielt, hätte ich doch glatt weg vergessen. Julian Herold war nach Tag 1a der Chipleader, Mario Puccini tat es ihm gleich und sicherte sich die Führung nach Tag 1b. Trotz Wirtschaftskrise waren 100 der insgesamt 336 Teilnehmer aus dem Gastgeberland und bezahlten die Teilnahmegebühr in Höhe von 4.400€. Was dann an den Tischen zu sehen war, erinnerte teilweise an Kamikaze und die Action an den Cashgame Tischen abseits der EPT Turniere soll trotz höheren Rakes auch nicht schlecht gewesen sein.
Julian Herold schaffte es ins Geld, allerdings war er nur mit wenigen Big Blinds in den vorletzten Tag gestartet und verlor mit einem Paar 8er gegen 7er und Damen. Besser machen sollten es aus deutschsprachiger Sicht Pierre Mothes, Hauke Heseding, Mario Puccini und der Österreicher Florian Schleps. Für den Sieg sollte es leider nicht reichen, denn Hauke Heseding verlor im Heads-Up gegen den Briten Zimnan Ziyard. Allerdings konnte erneut die gute Form der Deutschen unter Beweis gestellt werden und dies lässt vor allem für die anstehenden Events der WPT und EPT in Prag hoffen.
Die Leistung der Dealer an den Tischen war gemischt und einige Fehler durchaus noch an der Tagesordnung, aber man ist bereit zu lernen und die Gastfreundschaft kann sich definitiv sehen lassen. Inwiefern man bei 336 Teilnehmern im Main Event von Erfolg sprechen kann, lässt sich noch nicht beurteilen. Die Teilnehmerzahlen bei den verschiedenen Side Events war in Ordnung, auch wenn zwei Turniere auf Grund zu geringen Interesses abgesagt werden mussten.
Insgesamt fällt das Fazit der Woche in Loutraki definitiv positiv aus, Land und Leute wissen zu überzeugen und die Ergebnisse der deutschsprachigen Spieler waren sehr erfreulich. Der Pokertross reist weiter nach Nordafrika für die World Poker Tour in Marrakech und in weniger als zwei Wochen steht dann Prag auf der Tagesordnung. Shuffle up and travel.
Christian Zetzsche

